schmalspurbahn_dipps

So will die Weißeritztalbahn wieder aufholen

Die Bimmelbahn hat letztes Jahr Fahrgäste verloren. Mit vielen Veranstaltungen wollen sie die zurückgewinnen. Von Franz Herz

Mirko Froß macht nicht den Eindruck, dass er abergläubisch ist. Er ist stellvertretender Betriebsleiter bei der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft. In dieser Funktion hat ihm aber die 13 großes Pech gebracht. Das Jahr 2013 hat schlecht angefangen mit dem langen Winter, in dem wenig Leute Bahn gefahren sind. Es ist schlecht weiter gegangen mit einem verregneten Frühlingsmonat Mai. Und es kam noch schlechter mit dem Junihochwasser, das die Bahntrasse zerstört hat, sodass die Züge 14 Tage gar nicht fahren konnten. Weiter hat die Flut den Wanderweg im Rabenauer Grund weggespült, und der ist sozusagen das Gegenstück zur Bahn. Viele Ausflügler fahren mit dem Zug und wandern ein Stück. Das geht erst wieder seit Dezember. So kamen zu Mirko Froß’ Pech 13 Prozent Fahrgastrückgang im vergangenen Jahr heraus. Ganze 135000 Fahrgäste sind im letzten Jahr mit der Schmalspurbahn gefahren. Den Rückgang will er wieder aufholen. Die Angebote dafür hat er mit Ralf Kempe von der IG-Weißeritztalbahn gestern auf einer Pressekonferenz vorgestellt.

Angebot eins: Kooperation mit anderen Tourismusanbietern>>Die Schmalspurbahn ist ein Teil des ganzen touristischen Angebots in der Region. Wenn viele Anbieter zusammenarbeiten, können sie viel erreichen. Das hat das Festwochenende an der Talsperre Malter gezeigt in Verbindung mit dem 130. Geburtstag der Weißeritztalbahn. Daher verstärkt die Dampfeisenbahngesellschaft solche Kooperationen. So können jetzt Touristen, welche die Erzgebirgscard besitzen, diese auf der Weißeritztalbahn als Fahrkarte für eine Hin- und Rückfahrt nutzen. Auch beim Schmalspurbahn-Festival am 19. und 20. Juli gliedert sich die Weißeritztalbahn in die ersten erzgebirgischen Eisenbahn- und Oldtimererlebnistage ein. Sie versprechen an diesem Wochenende ein Fest für die ganze Familie. Weiter hoffen die Bahnverantwortlichen, dass dieses Jahr vor allem der Weg durch den Rabenauer Grund auch für Radfahrer wieder nutzbar wird. „Das bekommen wir mit dem Sachsenforst hoffentlich bis zum Saisonstart hin“, sagt Froß. Denn die Bahn will sich gerne als Teil des Radtourenangebots profilieren. Sie hat eine Tourenkarte ausgearbeitet mit zwei Verbindungen von Dippoldiswalde nach Freital.

Angebot zwei: Die gute alte Zeit lebt wieder auf>>Der besondere Reiz der Weißeritztalbahn ist es, dass hier ein wenig die Zeit stehengeblieben ist. Das wissen vor allem Touristen zu schätzen, in deren Heimat solche Bahnlinien schon vor Jahrzehnten eingestellt wurden. So gibt es jetzt in den Februarferien und erneut im Oktober ein Nostalgieangebot. Die alten Reisewagen, die noch auf dem Stand der 1970er-Jahre sind, fahren dann im Regelbetrieb. „Gepäcknetze, Ofen im Abteil und Holzklappsitze“, zählt Ralf Kempe einige der Besonderheiten auf, die zu erleben sind. Im September fährt ein Fotozug mit Güter- und Personenwagen. Diese Kombination fährt seit 1994 nicht mehr. „Das ist eine Attraktion für Eisenbahnfreunde, die das fotografieren“, sagt Ralf Kempe, dessen IG Weißeritztalbahn die Fahrt organisiert.

Angebot drei: Musik und Kultur auf schmalen>>BesondereAttraktionen sollen zusätzliche Fahrgäste in die Bahn locken, wie Braumeisters Dampfzug oder der Dixielandzug. Letztes Jahr war dafür eine Premiere geplant, die wegen der Juniflut ausgefallen ist. Sie wird dieses Jahr nachgeholt. Am 22. Juni werden Sänger vom Kreuzchor mitfahren und gemeinsam mit den Fahrgästen Volkslieder singen.

www.weisseritztalbahn.com

 

18.10.2013>>>Nicht nur Eisenbahnfans können ab dem Wochenende etwas ganz Besonderes auf der Weißeritztalbahn erleben. Erstmals ist ein Nachbau der legendären Dampflok IK unterwegs. Maschinen dieses Typs waren die Ersten, die vor 130 Jahren zur Eröffnung der Bahnlinie die Wagen zogen. Das letzte erhalten gebliebeneOriginal von 1882 fuhr als Betriebslok im damaligen Schmiedeberger Betrieb „Ferdinand Kunert“. Dann wurde sie 1968 verschrottet. Mit Spendengeldern und viel Eigeninitiative ließ der Verein zur Förderung der sächsischen Schmalspurbahnen die historische Lok originalgetreu nachbauen. Rund 800 000 Euro wurden so durch die Spenden und Eigenleistungenaufgebracht. Die erste öffentliche Vorstellung gab es mit großem Bahnhof 2009 in der Schmiedeberger Gießerei. Damals stand das wieder erstandene Technikdenkmal allerdings auf einem Tieflader. Jetzt ist die IK bei der Preßnitztalbahn stationiert. Zum ersten Mal auf der Strecke der Weißeritztalbahn sollte die Lok schon im Sommer zur 100-Jahrfeier der Talsperre Malter und gleichzeitig zum 130-jährigen Jubiläum der Bahnstrecke fahren. Doch unerwartet schlug die Defekthexe zudie Lok war defekt. Vom 19. bis 23. Oktober wird dieses Ereignis nachgeholt. Es gibt zwei Zugpaare, die mit den historischen Wagen der Traditionsbahn Radebeul täglich unterwegs sein werden: 10.11Uhr ab Freital nach Dipps und zurück sowie 14.41 Uhr von Freital nach Seifersdorf und zurück.

 

Am 3. September 1883 war der erste Personenzug nach Kipsdorf gefahren; am 1. November folgte der erste Güterzug. Groß gefeiert wurde damals nicht; das hatte man bereits ausführlich getan, als die Strecke bis nach Schmiedeberg am 30. Oktober 1882 eröffnet wurde. In Sachsen, im deutschen Bahnland Nummer eins des 19. Jahrhunderts, spielte der Bau von Schmalspurbahnen eine bedeutende Rolle. Unmittelbar nach der Herausgabe der „Bahnordnung für Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung“ von 1878 durch das Kaiserreich entstand im Königreich Sachsen sehr schnell ein Schmalspurbahnnetz von über 500 Kilometern Länge. Unsere Bahn war nach der kurzen Strecke der ersten Schmalspurbahn von Wilkau nach Kirchberg die zweite der insgesamt 30 Schmalspurbahnen Sachsens. Die Weißeritztalbahn ist mit ihrer Gesamtlänge von 26 Kilometern, 40 Brücken, engen Bogenradien, beachtlichen Steigungen, dem attraktiven Streckenabschnitt durch den Rabenauer Grund und als nunmehr Deutschlands dienstälteste Schmalspurbahn im öffentlichen Personenverkehr, das „Flaggschiff“ sächsischer Schmalspur.

Die Geschichte widerspiegelt aber auch sehr eindrucksvoll, dass der ursprüngliche Glaube, mit den kleinen Bahnen billiger wegzukommen, ein Irrtum war. Viele wurden bereits vor dem Ersten Weltkrieg unrentabel, mussten wieder eingestellt oder eingeschränkt werden. Im Weißeritztal wurde der Güterverkehr, trotz noch vorhandenem Bedarf, dann 1994 abgesetzt. Die Bahn zählt zu den sogenannten Flusstalbahnen, das heißt, sie schlängelt sich annähernd mit der Roten Weißeritz von Kipsdorf nach Freital ins Tal. Damit ist sie stets dem Hochwasser, dieses meistens harmlosen Gebirgsflusses, ausgeliefert. Am schlimmsten war es 1897 und 2002 mit zahlreichen Toten und verheerenden Zerstörungen an der Strecke. Der Bau der Talsperre Malter (1907-1913), als Konsequenz aus der Katastrophe von 1897, erforderte den Bau eines völlig neuen Streckeabschnittes über sieben Kilometer.Ein weiteres Problem ergab sich aus dem zeitaufwendigen Umladen von der schmalspurigen Weißeritztalbahn (Spurweite 750 mm) auf das normalspurige deutsche Eisenbahnnetz (1435 mm) bei der Ankunft in Hainsberg. Also erfolgte der Einsatz von Rollwagen (1906), auf die nun die normalspurigen Güterwagen gerollt werden konnten und damit teure Umladungen erspart blieben. Aber das hatte wiederum bauliche Konsequenzen, denn die Tragfähigkeit des Bahnkörpers musste erhöht und beispielsweise der Tunnel im Rabenauer Grund aufgeschlitzt werden. Schließlich war es der boomende Fremdenverkehr, der dafür sorgte, dass in Kipsdorf der größte europäische Kopfbahnhof für Schmalspurbahnen entstand (1935). Man kann es kaum für möglich halten, dass in den 1930er-Jahren die Züge in der Wintersaison am Wochenende alle 20 Minuten bis nach Kipsdorf fuhren. Aber auch von spektakulären Unfällen blieb die Bahn nicht verschont. So entgleiste Ende der 1980er-Jahre ausgangs des Rabenauer Bahnhofes in Richtung Kipsdorf ein mit Kohle beladener Güterzug. Die dabei in dem engen Bogen umgekippten Talbotwagen waren zwischen einer Felswand und der Roten Weißeritz derartig verkeilt, dass sie auseinandergeschweißt werden mussten. Die Einzelteile holte dann ein Hubschrauber in tagelangem Einsatz aus dem Rabenauer Grund heraus. Heute gehört die Weißeritztalbahn zu den fünf noch im öffentlichen Personennahverkehr fahrenden Bahnen in Sachsen. Sie steht seit 1994 unter Denkmalsschutz

   
© Sachsenzimmer.de