Montag, 23.07.2018

Die Badewanne Dresdens

Die Talsperre Malter wurde für den Hochwasserschutz gebaut. Schnell hat sie sich zum Erholungszentrum entwickelt.

Von Franz Herz

Die Talsperre Malter hat viele Funktionen. Am bekanntesten ist sie als schöner Badesee, der viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung bietet.

Dippoldiswalde.Die Talsperre Malter gilt vielen auch als die Badewanne Dresdens. Wer raus aus der Stadt, aber nicht weit fahren will, ist mit einem Ausflug an die Talsperre richtig. Drei Strandbäder rings um den See bieten unterschiedliche Möglichkeiten zur Erholung, FKK-Freunde finden hier ebenso ihre Ecke am Wasser wie Hundebesitzer.

Ursprünglich ist die Talsperre von 1908 bis 1913 gebaut worden, um die Fluten der Weißeritz zu regulieren. Es ging gleichermaßen darum, bei Trockenheit einen Mindestwasserstand für die Mühlen am Fluss zu sichern wie bei Hochwasser die Fluten zurückzuhalten, um Schäden zu vermeiden. Bald nach dem ersten Aufstau entwickelte sich ein reger Tourismus an dem neuen See. Da hier kein Trinkwasser entnommen wird, spricht nichts dagegen, in der Malter zu baden oder Wassersport zu betreiben.

 

Freitag, 21.10.2016

Das älteste Dippser Metallwerkzeug

Archäologen machten einen neuen Fund. Warum das Eisenstück aus dem Altbergbau besonders kostbar ist.

Von Franz Herz

Dippoldiswalde. Die Baustelle der Bergsicherung auf der Glashütter Straße in Dippoldiswalde steht vor einem Wendepunkt. Anfang November soll dort die Verwahrung der unterirdischen Hohlräume beginnen, wie Bernhard Cramer, der Leiter des Oberbergamts in Freiberg, informierte. Auch die archäologischen Untersuchungen des mittelalterlichen Bergbaus dort sind abgeschlossen. Jedoch gab es dort noch einen ganz besonderen Fund, wie Jitka Hricková vom Landesamt für Archäologie berichtet. Ein kleines rundes Metallstück lag dort in der Tiefe. Wahrscheinlich war es ein Senklot, nehmen die Archäologen an. Eisen war im Mittelalter sehr wertvoll. Das haben die Bergleute nicht einfach liegenlassen. Deswegen sind solche Funde äußerst selten und besonders kostbar. Womöglich ist dieses Schnurlot vor Jahrhunderten verloren gegangen und damals nicht wiedergefunden worden. Nach den Informationen der Archäologen ist es eines der frühesten Exemplare dieser Art von Vermessungsgeräten, die überhaupt bekannt sind. Mit Sicherheit gehört das Lot zu den ältesten Metallwerkzeugen, die in der Stadt Dippoldiswalde noch erhalten sind.

Nur kurze Zeit zugänglich

Sein Fundort war auch nur kurze Zeit zugänglich. Die tiefsten Stellen unter der Glashütter Straße stehen jetzt schon wieder unter Wasser, informierte Hricková. Die Erkundung ist abgeschlossen, und die Bergsicherung pumpt hier nicht mehr ab. In diesem Bereich haben die Archäologen interessante Funde gemacht, die jetzt ausgewertet werden. Mindestens zwei verschiedene Abbauphasen lassen sich hier nachweisen. Die genauen Jahreszahlen werden aber erst dann feststehen, wenn die Untersuchungen der Hölzer abgeschlossen sind. Die Forscher nutzen die Jahresringe, um Holzfunde exakt zu datieren. Der Fachbegriff lautet dafür Dendrochronologie. Das ist ein bewährter Weg. Die Jahresringe der Bäume sind verschieden und geben für jede Zeit ein typisches Muster. In guten Jahren sind sie stark gewachsen, in dürren Jahren eher dünn. Wie das aussieht, ist bekannt, beispielsweise von Schlössern oder Kirchen, deren Baudaten dokumentiert. Die Archäologen vergleichen dann diese bekannten Muster mit den Funden aus dem Dippoldiswalder Bergbau und ordnen sie damit zeitlich ein.

Es sind also noch einige Neuigkeiten aus dem Dippoldiswalder Altbergbau zu erwarten. Zumal der Hohlraum unter der Glashütter Straße enorme Ausmaße hat. Jitka Hricková sagt: „Da der Gangbereich ungewöhnlich großräumig ist, vermuten wir einen ausgedehnten Erzabbau.“ Zwei Füllorte haben die Archäologen gefunden. Dort wurde das Erz umgefüllt und in Eimern an Seilen nach oben gezogen. Dafür waren die Haspeln erforderlich. Von ihnen sind noch etliche Holzreste gefunden worden. Diese sind erhalten geblieben, weil sie über Jahrhunderte unter Wasser standen und dadurch konserviert worden sind.

Die Forschungen der Archäologen sind Teil des internationalen EU-Forschungsprojekts zum mittelalterlichen Bergbau Archaeomontan. Sie laufen parallel zur Arbeit der Bergsicherung. Diese ist im Auftrag des Oberbergamts tätig. Hier steht nicht die Forschung im Vordergrund, sondern die Sicherheit für Dippoldiswalde. Ihre Aufgabe ist es, erstens die Hohlräume zu erkunden, diese zweitens so weit zu öffnen, dass man darin arbeiten kann. Bergleute sprechen hier vom Aufwältigen. Drittens werden sie schließlich so verwahrt, dass die Häuser und die Straße darüber wieder sicher stehen und die Gefahr von Tagesbrüchen gebannt ist.

In Dippoldiswalde laufen schon seit Jahren solche Sicherungsarbeiten an der Glashütter Straße. Bei früheren Arbeiten hat sich gezeigt, dass die Hohlräume weitergehen unter der Straße und unter Gebäuden entlang. Darüber sind keine Karten überliefert. Schriftliche Aufzeichnungen aus dem Bergbau setzten erst in späteren Jahrhunderten ein. Um diese Hohlräume vor allem unter der Straße zu sichern, ließ das Bergamt die Arbeiten fortsetzen. Bis Ende September sind rund hundert Meter Strecke aufgewältigt und gesichert worden. Rund 300 Kubikmeter Material haben die Bergleute aus der Tiefe geholt und dabei auch neue Hohlräume entdeckt. Fünf Tagesschächte, die zur Oberfläche führen, müssen sie ebenfalls sichern.

Im November sollen nun die Verwahrarbeiten beginnen. Dazu wird in elf Meter Tiefe ein Betonriegel eingezogen werden. Alle Hohlräume darüber werden mit Beton aufgefüllt. Was tiefer liegt, bedeutet nach menschlichem Ermessen keine Gefahr mehr für die Erdoberfläche. So können in Dippoldiswalde die Wissenschaftler und die Bergleute zwei Ziele auf einmal erreichen: Mehr Sicherheit für die Stadt und neue Erkenntnisse über die bisher unbekannte Geschichte des mittelalterlichen Bergbaus.

 

Samstag, 25.07.2015

Neue Unter-Tage-Funde aus dem Dippser Mittelalter

Es gibt Neues aus dem Dippser Altbergbau. Doch die wissenschaftliche Erforschung kommt derzeit nicht voran.

Von Franz Herz

Im Frühjahr hat die Bergsicherung Freital Stollen und Schächte an der Glashütter Straße in Dippoldiswalde erkundet und gesichert. Dabei haben die Bergleute und die Archäologen wieder wertvolle Funde gemacht aus der Zeit des mittelalterlichen Bergbaus, wie Christiane Hemker vom Landesamt für Archäologie informiert.

Erste Untersuchungen der Funde sind schon gelaufen. Die haben beispielsweise ergeben, dass das Bergwerk in den Jahren von 1184 bis 1232 betrieben wurde. Aber für eine gründliche wissenschaftliche Untersuchung fehlen momentan die Mittel. Dafür muss erst die Entscheidung über die Zukunft des Projekts Archaeomontan fallen. Der Antrag für die zweite Phase ist fertig, „Wir warten jetzt darauf, dass wir ihn einreichen können“, sagt Hemker. Über Archaeomontan sind bisher viele der Forschungsarbeiten zum Dippser Altbergbau bezahlt worden. Jedoch ist der erste Abschnitt des Forschungsprojekts dieses Frühjahr ausgelaufen.

Wenn es mit dem Projekt weitergeht, sind eine Reihe neuer Erkenntnisse aus der Dippoldiswalder Bergbaugeschichte zu erwarten. Denn die Archäologen haben aus den Stollen, die dieses Jahr verwahrt wurden, rund 190 Holzfunde geborgen. „Darunter sind schöne Stücke“, sagt Hemker. So ist über die Jahrhunderte eine halbe gedrechselte Schale mit 30 Zentimeter Durchmesser erhalten geblieben. Die Wissenschaftler vermuten, dass sie damals den Bergleuten zum Abschöpfen des Wassers gedient hat. Darauf deuten auch Abriebspuren an dem Holzfund hin. Teile einer Haspel und sogenannte Pfuhlbäume sind auch noch erhalten geblieben. Das sind Querbalken, in denen eine Haspel verankert war.

Diese Funde lagern jetzt alle im Landesamt für Archäologie und warten. Erstens müssen sie noch konserviert werden, damit sie weiter erhalten bleiben. Zweitens sollen sie auch noch wissenschaftlich ausgewertet werden. Damit wird sich jetzt ein junger Archäologiestudent aus Tübingen im Rahmen seiner Masterarbeit befassen.

Die Stollen selbst sind nicht mehr zugänglich, weil sie aus Sicherheitsgründen mit Stahlstreben gesichert und mit Beton verfüllt wurden. Das ist erforderlich, um zu verhindern, dass die Häuser und die Straße darüber einstürzen. Diese Gefahr war bei den Stollen, die jüngst gesichert wurden, relativ groß, weil sie bis auf 4,5 Meter an die Tagesoberfläche heranreichten, wie das sächsische Oberbergamt mitteilte. Vorher haben die Archäologen die gesamten Hohlräume dokumentiert, fotografiert und mit einem Laserscanner vermessen. So können die Wissenschaftler auch später rekonstruieren, wie es dort unter Tage ausgesehen hat. Solche Rekonstruktionen haben schon interessante Ergebnisse gebracht. Beispielsweise haben sie eine Wetterscheide gezeigt. Das war eine Belüftungseinrichtung im Bergwerk mit zwei Schächten, die durch Hölzer getrennt waren. In einem kam Frischluft unter die Erde. In dem anderen zog die verbrauchte Luft an die Oberfläche. Auf weitere derartige Erkenntnisse hoffen die Archäologen, wenn es Archaeomontan-Projekt weitergeht.

 

   
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