Striezelmarkt per App erkunden

Donnerstag, 05.11.2015 in unserer SZ

Striezelmarkt per App erkunden >>Sie hilft, aus über 230 Händlern den Richtigen zu finden. Bezahlt werden kann mit einem ganz besonderen Taler. Von Nina Schirmer

Die weltgrößte erzgebirgische Stufenpyramide steht schon. Am Freitag wird dann der Schwibbogen am Eingang des Weihnachtsmarktes aufgebaut.

Noch 21 Tage – dann zieht wieder der vertraute Geruch von Glühwein, Bratwurst und Lebkuchen über den Altmarkt. Dann erhellen die Lichterketten das abendliche Dunkel und der Weihnachtsmann verteilt seine ersten Geschenke. Am 26. November öffnet der Dresdner Striezelmarkt zum 581. Mal seine Tore.

Neu in diesem Jahr ist eine App, mit der die Besucher einen interaktiven Marktplan auf ihrem Smartphone abrufen können. Alle Hütten sind auf der Karte eingetragen. Ganz gezielt können die Gäste so nach Händlern und Produkten suchen. Ansonsten bleibt vieles beim Alten. „Uns ist wichtig, die Traditionen zu bewahren und den Charme des Marktes aufrechtzuerhalten“, sagt der Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung, Robert Franke.

Altbekannte Veranstaltungen wie das Dresdner Stollenfest, das Pflaumentoffelfest und die Bergmannsweihnacht werden auch in diesem Jahr fortgeführt. Und das Wichtelkino hat wieder geöffnet. Dort werden Klassiker wie „Die Weihnachtsgans Auguste“ gezeigt.

Insgesamt sind auf dem Markt mehr als 186 Programmpunkte geplant – so viele wie noch nie. „Uns geht es dabei nicht um schneller, höher, weiter. Aber der Striezelmarkt ist auch unter Künstlern sehr beliebt“, sagt der Programmverantwortliche, Alexander Siebecke. Ein Highlight in diesem Jahr ist ein sorbischer Abend am 17. Dezember. Dann werden die Traditionen, Lieder und Tänze der Sorben aus der Lausitz vorgestellt.

Der Striezelmarkt ist nicht nur bei seinen Besuchern, sondern auch unter Händlern begehrt. Rund 400 hatten sich in diesem Jahr um einen Stand beworben. Am Ende konnten sich 233 durchsetzen. Die allermeisten von ihnen kommen aus Sachsen. Traditionelle Handwerkskunst steht wie immer im Vordergrund. Ein Beispiel dafür halten die Besucher in diesem Jahr selbst in der Hand. Das Familienunternehmen Kannegießer Keramik aus Neukirch hat 100 000 Glühweintassen für den Striezelmarkt gefertigt. Zum zweiten Mal können die Gäste mit dem silbernen Striezeltaler bezahlen. Die Münze wurde neu geprägt und zeigt neben dem Logo des Striezelmarktes einen Tannenbaum und den Schwibbogen. Für zehn Euro erhält man elf Taler, die überall eingelöst werden können. Ein Taler entspricht dem Wert von einem Euro. Seit heute gibt es die Münzen in der Dresden Information.

Autofahrer brauchen im weihnachtlichen Treiben am Altmarkt gute Nerven und sollten mehr Zeit einplanen. An allen Samstagen ist die südliche Fahrbahn der Wilsdruffer Straße zwischen Postplatz und Pirnaischem Platz von 14 bis 22 Uhr gesperrt. Außerdem dürfen Autos an den Wochenenden nicht von der Schulgasse in die Waisenhausstraße einbiegen. „Wir wollen so verhindern, dass die Verkehrsbelastung zu hoch wird“, sagt der Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes, Reinhard Koettnitz. Trotzdem könne es am Weihnachtsmarkt zu Staus kommen. „Deswegen bitten wir die Besucher, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen“, so Koettnitz.

Die Zahl der Striezelmarktbesucher wächst stetig. In den letzten sechs Jahren hat sich die Zahl der Übernachtungen im Dezember um 38 Prozent gesteigert. 2014 waren es über 448 000. Auch aus dem Ausland, vor allem aus Tschechien, kommen viele Besucher. Ob die Pegida-Demonstrationen Auswirkungen auf die Besucherzahlen haben, können die Veranstalter noch nicht absehen. Es sei aber genug Polizei im Einsatz, um den Weihnachtsmarkt abzusichern, sagt Stadtsprecher Karl Schuricht.

 

 

Dresden einmal anders!!>>>>Sehenswert!!!

Samstag, 24.01.2015

Dresden auf dem Tiefpunkt seiner Geschichte

Yadegar Asisis Panorama vom zerstörten Dresden 1945 will weit über den Ruinenhorizont hinausreichen.

Von Heinrich Maria Löbbers

70 Jahre nach der Bombardierung Dresdens eröffnet das Rundbild neue Perspektiven auf die Zerstörung, getaucht in buntes Licht, unterlegt mit dramatischem Sound.

Geht das? Wird man als Nachgeborener je wirklich ermessen können, wie es war in Dresden, in jenen Februartagen 1945? Noch können Zeitzeugen erzählen, man kennt Fotos, Filme und sonstige Dokumente. Auch Spielfilme. Aber nachempfinden? Ist es eine Anmaßung, was einen da im Panometer des Künstlers Yadegar Asisi erwartet? Das zerstörte Dresden in einem 360-Grad-Panorama. Ein riesiges Rundbild, 107 Meter lang, 27 Meter hoch, dazu buntes Licht und dramatische Musik.

Wer dann aber die 15 Meter zur Besucherplattform hinaufsteigt, auf die erstaunlich realistisch wirkende Trümmerkulisse blickt, innehält, wirken lässt, der wird gepackt von diesem völlig neuen Eindruck einer Szenerie, die man zu kennen glaubte. Wie vom Turm des Rathauses aus sieht der Betrachter das Ausmaß der Zerstörung. Man kann den Blick kaum lösen.

Dresden, am 15. Februar nachmittags, der zweite Tag nach dem Angriff, die Frauenkirche ist gerade eingestürzt. Staubwolken stieben, Feuer lodern noch, Rauchsäulen steigen empor, die Stadt ist ein einziges Skelett aus Gebäuderesten, Mauerstücken, Trümmersteinen. Und auf den ersten Blick menschenleer. Man ist so gebannt von dieser Rundumperspektive, dass es eine Zeit braucht, um fokussieren zu können, bis Details ins Auge fallen. Einzelne Menschen, Flüchtende, Irrende, Verzweifelte. Auch Tote. Kaputte Autos, zerquetschte Straßenbahnen, irgendwo hängen zwei Hakenkreuzfahnen.

Er wolle mit diesem Panorama Emotionen schaffen, Beklemmung und Ergriffenheit, sagt Yadegar Asisi (siehe Interview). „Ich hoffe, dass das Panorama dazu anregt, um über die Abgründe des Menschen, die grausame Logik und den Wahnsinn des Kriegs nachzudenken.“

Das Kunstwerk ist in Zusammenarbeit mit dem Militärhistorischen Museum in Dresden entstanden. Gorch Pieken, der dort wissenschaftlicher Leiter ist, findet, das Bild fülle Erinnerungslücken im Gedächtnis der Stadt. Gleichzeitig hofft er, dass es bei den Dresdnern mehr auslöst als nur „Mitgefühl mit sich selbst“. Asisi habe ein Werk geschaffen, das „exemplarisch für die Gewaltgeschichte der Menschheit“ sei. „Der Blick reicht über den Ruinenhorizont hinaus“, sagt Pieken und stellt eine Frage, die verstummen lässt: „Könnte man auch ein solches Panorama über Auschwitz machen?“

Dass Dresden eben nicht unvergleichlich ist und nicht losgelöst von europäischen Zusammenhängen gesehen werden kann, darauf verweist die Begleitausstellung mit Filmsequenzen, Fotos und Zeitzeugen-Interviews. „Dresden auf dem Tiefpunkt seiner Geschichte“, heißt es da. Asisi gibt zu, dass das „sehr, sehr plakativ“ geschieht. „Als Künstler kann ich nicht in die Tiefe gehen, ich will berühren.“

Bis Ende Mai ist das Ruinen-Panorama nun zu sehen, danach wird wieder das Bild der Barockstadt Dresden aufgehängt. So soll es auch in den kommenden Jahren sein. Asisi bringt es auf eine kurze Formel: „Im Sommer Barock, im Winter Krieg.“

„Dresden 1945. Tragik und Hoffnung einer europäischen Stadt“ ist zu sehen bis zum 31. Mai im Panometer Dresden, Gasanstaltstraße 8b. Geöffnet Di. bis Fr. 10 bis 17 Uhr, Sbd./So. 10 bis 18 Uhr. Eintritt 11,50 €

Übernachtungen gerne in meinen Sachsenzimmern!!

 

 

   
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