Englnder Samstag, 07.09.2013 unsere Sächsische Zeitung

Als die Engländer den Sachsen zum Sex erklärten

Sachsen siedelten auf die britische Insel über, um zu angeln? Großer Irrtum. Dafür brachten sie den Royals Nachwuchs und dem Volk Vokabeln.

Angelsachsen sind Sachsen, die angeln. Nu dlar! Der Witz hat einen Bart so lang wie eine Angelschnur, dennoch gibt es immer noch Menschen, die das für richtig und lustig halten, schließlich gibt es ja auch Kaffeesachsen. Doch nicht alles, was hinkt, ist bekanntlich ein Vergleich.

Was jedoch stimmt: Sachsen angeln gern. Dabei hat der Sachse weder die größten Seen, noch die breitesten Ströme, aber reichlich Wasser. Ein paar Fakten? Hier sind sie: 2.850 Kilometer Flüsse und Bäche durchfließen das Land, es schwäbbert in rund 40 Seen, 63 Talsperren sowie 80 weiteren Stauanlagen. Das ist Platz zwei in Deutschland. Sächsische Angler können in rund 20.000 Hektar Wasserfläche fischen. Und das nicht nur im Trüben. Im Übrigen könnten die Sachsen die Berliner aufs Trockene setzen, denn der preußischste aller Flüsse, die Spree, entspringt am Kottmar, südlich von Löbau, in der Oberlausitz.

Wiedervereinigung der Angler

Die Sachsen waren es auch, die mit dafür sorgten, dass im vergangenen Juni der Deutsche Anglerverband im Osten mit dem Verband Deutscher Sportfischer im Westen zum Deutschen Angelfischerverband e.V. (DAFV) verschmolz. Nach 23 Jahren Wiedervereinigung. Eiforbibsch. Ja, das stimmt. 800.000 Mitglieder sind jetzt insgesamt in dem Verband eingeschrieben, 39.000 davon Sachsen. Neben den Feuerwehrvereinen eine echte Wählermacht, bei der bisher allerdings weder die CDU noch die SPD einen Wahlköder ausgelegt haben. Das hätten wir also geklärt. Aber es hält sich noch ein Gerücht.

Angelsachsen seien jene sächsischen Angler, die nach England gefahren wären, weil man von der Insel aus nach allen Seiten seine Rute raushängen lassen kann und einen dicken Fang macht. Auch lustig, aber die Geschichte hat einen Haken. Denn es gibt gar keine Angelsachsen. Der Begriff ist nichts weiter als eine Erfindung der Engländer, die zu faul waren, unterschiedlichen Einwanderern verschiedene Namen zu geben. Kurzer Rückblick? Muss sein, geht aber fix: Im 5.Jahrhundert wanderten zwei germanische Stämme, die Angeln und die Sachsen auf die britische Insel. Dabei sei erwähnt, dass der sächsische Volksstamm die sogenannten Altsachsen waren, die mit den heutigen Sachsen nichts zu tun hatten, sondern in der Gegend hausten, wo sich heute Niedersachsen befindet. Die Gruppen zogen also auf die Insel und die dortigen Bewohner subsumierten alle Neulinge unter einem Namen: Angelsachsen. Ham Ses forstandn?

Das ist freilich sehr vereinfacht erzählt, aber so kann man es sich gut merken. Die ersten Altsachsen fielen übrigens schon in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts in das damals noch römische Britannien ein. Gleich hinter dem Kanal zeugen noch heute Gebiete von der sächsischen Besiedlung. Sussex heißt südliches Gebiet der Sachsen und Essex, Middlesex, Wessex sind nicht mehr und nicht weniger als Ostsachsen, Mittelsachsen und Westsachsen. Das wissen nur die meisten Engländer nicht mehr oder wollen es nicht wissen.

Übrigens gaggert eine beliebte Hühnerrasse sowohl durch englische und als auch deutsche Zuchthallen. Das Federvieh ist groß, schön, ruhig, zahm und heißt Sussex – Südsachse. Gut, dass wir das jetzt auch noch wissen.

Die Sachsen gelangten übrigens von der britischen Küste bis in die Hauptstadt. Im Hyde Park mitten in London trifft der Besucher am Albert-Denkmal auf das sächsische Wappen. Warum? Weil sich das sächsische und britische Königshaus miteinander forbandeltn. Das begann 1840. Ein Wettiner, diesmal ein echter Sachse aus der Hauptstadt Dresden und kein Altsachse, heiratete die englische Königin Victoria, die ihrem Mann neun Kinder gebar. Man kann also, ausgestattet mit etwas Königstreue, getrost davon ausgehen, dass in den Adern der Royals noch heute sächsisches Blut fließt. Nu gugge ma da. Aber vielleicht ist das schon der nächste Witz.

Die Sachsen hinterließen auf der Insel dennoch Spuren. Gelernt haben wir schon, dass Sachse Sex heißt. Wer hätte das gedacht. Die Engländer übernahmen aber nicht nur den Sex, sondern das sächsisch weich gesprochene Word in ihren Wortschatz. Obwohl die manchmal das eene oder andre Word verwechseln. Denn während dorr Sachse „woh?“ fragt, sagt der Engländer „where“ und wenn dorr Sachse „wär?“ fragt, fragt der Engländer „who?“.

Aber babbeln, englisch babble (reden) tut der ganz genauso wie blärrn, englisch blare (plärren). Und das sächsische Iewl, englisch evel, gesprochen iewl (Übel) hat er von den Sachsen gelernt. Genau wie gud, englisch good, gesprochen gud (gut).

Eine Dämse an der Themse

Noch mehr sächsisch-englische Beispiele? Gerne: Briefen gehört genauso zu den deutschen Ursprüngen, englisch, brief (schriftliche Information), die genutzt werden. Das hälste im Kopp ni aus, englisch cup (Tasse) kommt eigentlich von Kappe, der hohlen Schädeldecke aus der ganz früher die wilden Sachsen tranken.

Das Englische ist durchdrungen von sächsischen Wörtern, von abbl, englisch apple, oder Asch, englisch ashbin (Eimer), über Bludd, englisch blood (Blut) oder ich bin blank, englisch blank (leer), anhoosen, englisch hos (Strumpf) bis zu Karre, englisch car (Auto), wörschen, englisch worken (arbeiten) oder woorm, englisch warm (warm). So weiß jeder sofort, dass warm up einfach aufwärmen bedeutet.

Dass der Sachse angeblich bei Kälte in London auf einen Weihnachtsmarkt geht und „ä dännschen please“ sagt, um eine Tanne zu kaufen, ist einfach nur lachhaft. Wahr ist vielmehr, dass die Sachsen dem Fluss Themse seinen Namen gaben. Schließlich war bei ihrer Ankunft dort eine verdammte Dämse (Schwüle). Deshalb lässt sich Englisch so einfach Sächsisch sprechen. Und andersrum. Ni zu gloobn!

 

 

   
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